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Linnemann stößt Debatte an

Dienst freiwillig oder verpflichtend?  

Paderborn. Sollten sich Jugendliche ein Jahr in den Dienst der Gemeinschaft stellen? Und sollte dieses Gesellschaftsjahr verpflichtend oder freiwillig sein? Darüber hat der Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann mit Jugendlichen und sozialen Organisationen vor Ort diskutiert.

Bereits vor vier Jahren stieß der Paderborner CDU-Politiker eine Debatte um ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für junge Schulabgänger an. Linnemann sieht darin eine wichtige Maßnahme, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. „Die jungen Menschen könnten dabei Teamfähigkeit, Solidarität, Übernahme von Verantwortung, Gemeinschaft und den Respekt vor der anderen Meinung erlernen“, ist Linnemann überzeugt.

Diese Kompetenzen seien notwendig, um in dieser Welt erfolgreich zu sein. Das Jahr soll nach Linnemanns Vorstellungen im Ausland ebenso wie bei der Bundeswehr, bei sozialen Organisationen, im Katastrophen- oder Bevölkerungsschutz geleistet werden können.

Ebendiese Organisationen lud der Wahlkreisabgeordnete nun zu einem Gespräch ein. Insgesamt 15 lokale Verbände nahmen die Einladung an. So diskutierte Linnemann mit Vertretern der Arbeiterwohlfahrt, des Caritasverbandes, der Diakonie, der In Via, des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerkes, der Feuerwehr, der Bundeswehr und des Reservistenverbandes ebenso wie mit Vertretern der katholischen Jugend BDKJ, des Stadtjugendrates, der Bundesagentur für Arbeit und der Kreishandwerkerschaft.

Einigkeit bestand darin, dass ein mögliches Gesellschaftsjahr breit aufgestellt sein müsse. So sollten etwa auch Umweltschutz- und Sportverbände einbezogen werden. Zudem warnten einige Verbände, dass der Dienst kein Lieferant von „billigen Arbeitskräften“ sein dürfe. Auseinander gingen die Meinungen in der Frage, ob das Gesellschaftsjahr verpflichtend sein müsse. Denn dafür wäre eine Grundgesetzänderung durch den Deutschen Bundestag mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit nötig.

Für eine Verpflichtung sprach nach Ansicht vieler Teilnehmer, dass sonst viele Jugendliche nicht erreicht würden. Der Blickwinkel auf das Leben werde durch das Jahr geändert, Absolventen würden viele soziale Kompetenzen erwerben. Zudem seien viele junge Schulabgänger nach dem Abschluss perspektivlos. Das Gesellschaftsjahr könne demnach der Orientierung dienen. Gleichzeitig blieben viele Teilnehmer auch über das Jahr hinaus in den Organisationen ehrenamtlich aktiv – oder würden sich gar für einen Berufseinstieg im sozialen Bereich entscheiden, so die Hoffnung mancher Organisationen.

Als große Herausforderung werteten die Teilnehmer, für jährlich 700.000 Schulabgänger in Deutschland Plätze zur Verfügung zu stellen. Ebenso sei es herausfordernd, wenig motivierte Menschen zum Dienst am Menschen zu ermuntern. Zweifelhaft sei ferner, jungen Menschen mit genauer Berufsperspektive staatlicherseits in die persönliche Lebensplanung einzugreifen. Möglicherweise würde das Jahr auch den Arbeitskräftemangel verschärfen, da Unternehmen auf Nachwuchs angewiesen seien.

Eine Lösung könnte laut den Teilnehmern darin liegen, das Gesellschaftsjahr berufsbegleitend zu ermöglichen. Ebenso müsse der Dienst nicht zwingend zwölf Monate dauern.

Neben Linnemann nahm an dem Gespräch auch der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Hoppe-Biermeyer teil. Beide reisten wenige Tage nach dem Gespräch zum CDU-Bundesparteitag nach Hannover, wo das Thema kontrovers diskutiert wurde. Am Ende sprach sich eine deutliche Mehrheit der Delegierten für die verpflichtende Variante aus.

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Vertreter von 15 Paderborner Organisationen diskutierten mit dem Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann über ein freiwilliges oder verpflichtendes Gesellschaftsjahr.

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cdu journal 3-22

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