Bleiverbot

Linnemann MdB und Liese MdEP wollen Ausnahmen

EU will bleihaltige Munition verbieten – Vereine befürchten „Todesstoß“  

Paderborn. Das von der EU-Kommission geplante Bleiverbot sorgt derzeit für Zündstoff unter den Sportschützen und Schützenvereinen. Sie sehen ihren Sport und das Königsschießen in Gefahr. Die CDU-Politiker Carsten Linnemann und Peter Liese wollen deshalb Ausnahmen für sie erreichen.

Die Kritik an dem Vorhaben ist gewaltig, dennoch treibt die Europäische Kommission ihre Pläne für ein Verbot bleihaltiger Munition weiter voran. Die Folgen für die Schützen- und Schießsportvereine wären fatal. Sie müssten nicht nur ihre Munition auf teurere Alternativen, etwa aus Eisen, umstellen. „Viele Schützenvereine müssten auch ihre Kugelfänge umrüsten“, erläutert Emil Vogt, Bundesschützenmeister des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS). „Das könnten nur wenige unserer bundesweit rund 1300 Bruderschaften schultern.“

Walter Finke, stellvertretender Bundesschützenmeister aus Dörenhagen, verweist auf die ohnehin schwierige Situation der Vereine nach der Corona-Pandemie. „Für viele Schützenvereine könnte die Umrüstung im schlimmsten Fall den Todesstoß bedeuten“, so Finke. „Brauchtumsvereine tragen auch eine soziale Verantwortung, die nicht aufs Spiel gesetzt werden darf.“ Vogt und Finke verweisen zudem darauf, dass in den Kugelfängen das Blei bereits aufgefangen und anschließend recycelt würde. Ein Eindringen in den Bodenbereich werde somit ausgeschlossen.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann hatte die Repräsentanten der Schützenbruderschaften ebenso wie Spitzenvertreter der Sportschützen nach Paderborn eingeladen. Mit dabei war zudem der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. Der Südwestfale ist Sprecher der EVP-Fraktion im Umweltausschuss des Europaparlaments. Er setzt sich wie Linnemann für eine Entschärfung der geplanten EU-Vorgabe ein: „Für das in der Regel nur einmal jährlich durchgeführte Vogelschießen muss es eine Ausnahme geben“, fordert Liese. Zwar müsse verhindert werden, dass Blei in den Boden gelange. Dennoch gelte der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. „Das geplante Wassermonitoring, bei dem das Grundwasser auf dem Schießstand beprobt wird, ist völlig überzogen“, sagt Liese.

Gemeinsam mit dem BHDS wollen die CDU-Abgeordneten nun an die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen herantreten. Ziel sei es, gemeinsam Abgeordnete anderer EU-Mitgliedsstaaten für die Anliegen der Schützen zu sensibilisieren.

Um politische Schützenhilfe baten auch Andreas Friedrich und Dieter Rehberg vom Dachverband der Sportschützen in Deutschland. „Es gibt derzeit schlicht keine bleifreie Munition, die eine vergleichbare Genauigkeit bietet. Kommt das Bleiverbot, wäre der Spitzensport in Deutschland nicht mehr möglich“, sagt Andreas Friedrich, stellvertretender Geschäftsführer des Deutsches Schützenbundes. „Alternative Munition wie beispielsweise aus Eisen hat eine zu große Streubreite, die einen sportlichen Wettkampf nicht zulässt.“

Nach Szenarien der EU-Behörde ECHA dürfen die Schießsportler allenfalls noch bei internationalen Wettkämpfen mit Bleimunition starten – dann aber auch nur als zu genehmigende Ausnahme. Für Dieter Rehberg, Präsident des Westfälischen Schützenbundes stellt sich dann aber eine Frage: „Wie und wo sollen wir denn dann trainieren, wenn wir vor Ort nicht mehr schießen dürfen? Sollen unsere Sportler dann fürs Training ins Ausland fahren?“ Sorgen bereiten den Sportlern nicht nur neue EU-Vorgaben, sondern auch die deutsche Umweltministerkonferenz. „Unseren Umweltministern reichen die EU-Pläne nicht. Sie wollen bundesweit rigoros jede Verwendung bleihaltiger Munition ohne Ausnahme und selbst in geschlossenen Schießanlagen verbieten“, beklagt Rehberg.

Im Kreis Paderborn gibt es rund 20 Schießsportvereine. Der SSV St. Hubertus Elsen spielt seit Jahren in der Luftgewehr-Bundesliga und wurde mehrfach Deutscher Mannschaftsmeister.

Bildbeschreibung:

Sie sorgen sich um die Zukunft des Schießsports und der traditionellen Königsschießen (von links): Peter Husen, Repräsentant des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, Walter Finke, stellvertretender Bundesschützenmeister, Uwe Pakendorf, Geschäftsführer des Rheinischen Schützenbundes, CDU-Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann, CDU-Europaabgeordneter Peter Liese, Bundesschützenmeister Emil Vogt, Dieter Rehberg, Präsident des Westfälischen Schützenbundes und Andreas Friedrich, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Schützenbundes.

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